Die Fotografie und ich.


Begonnen hat alles - wie wohl bei den meisten Männern meiner oder vorheriger Generationen - mit der Bewunderung für die Kamera des Vaters. Dieses behütete technische Kleinod, von welchem immer eine gewisse Faszination ausging. Geschürt wurde diese Faszination meist von den warnenden Worten des väterlichen Besitzers, die Finger davon zu lassen oder bei Benutzung - unter strengster Überwachung - äusserste Vorsicht walten zu lassen.


In meinem Fall handelte es sich um eine Spiegelreflexkamera aus dem Hause Minolta, eine SRT 303. Schön war sie anzusehen, chrom glänzend und natürlich makellos und gepflegt. Mehrere Objektive gehörten dazu, wobei das Zoomobjektiv die größte Anziehungskraft auf mich hatte. Während diese Kamera nur selten durch mich bedient werden durfte, war meine erste Kamera eine Agfa Agfamatic. Frei nach dem Motto „es ist bereits alles fotografiert worden, nur nicht von jedem“ wurde alles lichtbildnerisch festgehalten.


Damals wie heute vergingen Tage voller Vorfreude, bis die Filme aus der Entwicklung zurück kamen und die Ungewissheit über das Gelingen der Aufnahmen der Gewissheit darüber wich. Während der späten Jugend- und frühen Erwachsenenjahren kamen und gingen die verschiedensten Freizeitbeschäftigungen. Irgendwann kam die vergessene Begeisterung für die Fotografie zurück. Die bereits zuvor erwähnte Spiegelreflexkamera meines Vaters war einer kleinen digitalen Canon Chipse gewichen und fristete nun ihr Dasein im elterlichen Wohnzimmerschrank. Der Worte waren nicht viele nötig, bis die Kamera in meinen Besitz überging und eifrig probiert werden konnte. Die Kamera begeistere mich, aber trotzdem schwebte über Allem der Reiz des Neuen und vermeintlich Besseren, die Digitalfotografie.


Viele Überlegungen und Testberichte später, fiel die Entscheidung zum Umstieg zur digitalen Fotografie und zur Dynax 7D aus dem Hause Minolta. Zwei intensive und zufriedene Jahre verbrachte ich mit dieser Kamera, bis das Schicksal es wohl nicht mehr mitansehen konnte und durch einen professionellen und ins analoge verliebte Fotografen Zweifel in mir erwachsen lies. Viele Stunden intensiven Gesprächs vergingen und doch wollte ich vom Digitalen nicht ablassen, denn die vermeintlichen Vorteile erschienen mir zu verlockend. Eine einfache Begegnung veränderte alles. Der zuvor erwähnte Fotograf, damals wie heute ein guter Freund, brachte uns zusammen. Die Leica M und mich. Ich erhielt dieses Kleinod deutscher Ingenieurskunst - eine M4P - leihweise für geraume Zeit um mir darüber im Klaren zu werden, ob die Messsucherkamera und ich Freunde werde könnten. Mich faszinierte die Qualität, ebenso wie die Einfachheit der Bedienung und nicht zuletzt auch der Mythos Leica. Schnell ging es und ich wollte meine eigene erste Leica. Ebenso schnell fand die Dynax ihren Weg zu ihrem neuen Besitzer. Ich hatte Glück und fand eine fast unbenutzte M6. Der Objektivpark wurde nun stetig erweitert. Der M6 folgt eine M3 als Zweitgehäuse, da man(n) auf einem Bein nicht stehen kann.


Glückliche Jahre vergingen, bis die Technikfaszination einen weiteren Tribut forderte und eine Mittelformatkamera her musste. Das Format 6x6 musste es sein, quadratisch praktisch gut also. Ich hatte mich immer für zweiäugige Spiegelreflexkameras begeistert. Rolleiflex hatte ich im Auge, doch bis heute verstehe ich nicht, warum man für jede Brennweite eine separate Kamera haben sollte. Wechselbar mussten die Objektive also sein. Mamiya 330 Professional S war die Lösung dieses Problems. Diese Kamera machte mir viel Freude und brachte mir beim Fotografieren viel ungewollte Aufmerksamkeit, aufgrund ihrer Grösse und nicht zuletzt auch wegen des ausfahrbaren Balgens. Wie es immer so ist, das Bessere ist der natürliche Feind des Guten und so verließ mich die Mamiya zugunsten einer Hasselblad 2003 FCW. Ich erlag der gleichen Faszination wie einst - und bis heute anhaltend- meiner Leica.


Irgendwann erkannte ich jedoch, dass ich mich bei der Aufnahme eines Bildes oder bei der blossen Entscheidung dafür eine Kamera zu einem Spaziergang mitzunehmen, nur noch technische Aspekte mein Handeln beeinflußten. Die Angst, die falsche Ausrüstung, das falsche System oder gar nicht genug Equipment dabei zu haben, verleidete mir die Freude an der Fotografie. Ich war vom Fotografen zum technischen Direktor geworden. Einige Überlegungen später und der Erkenntnis darüber, mit welchem System ich die schönsten Fotos und die besten Erfahrungen gemacht hatte, verließ mich die Hasselblad wieder. Der erzielte Erlös wurde reinvestiert in die Optimierung des verbliebenen Systems. An dieser Stelle schließt sich der Kreis, da ich die Ausrüstung um die Kamera erweitert habe, mit der alles anfing, eine Leica M4P Baujahr 1980.


Im Vordergrund sollte stets das künstlerische Schaffen, die Umsetzung einer Idee und / oder das Bewahren eines Moments stehen. Doch als Laie darf man sich auch in der Welt der Technik und Technikverliebtheit verlieren, da die fotografische Leidenschaft nicht dem Broterwerb dient und somit auch nicht die Existenz vom Fotografieren abhängt. Bestenfalls ist der häusliche Frieden in Gefahr, wenn die Technikaffinität ungeahnte Ausmaße annimmt und beispielsweise das Sammeln von Filmspulen plötzlich eine weitere unentdeckte - aber willkommene - Facette des Hobbys Fotografie darstellt.


Daher nun auch einige Worte zur Technik, zur Krücke des Mannes  - also meiner - welcher es nicht vermag einen Pinsel oder Stift zu führen. Technik ist ein Mittel zum Zweck, aber manchmal auch einfach nur ein Stück weit ein schönes Spielzeug, welches Freude bereitet. Im Sinne des Ausspruchs „the difference between mans and boys, is the price of their toys.“. Doch Technik kann auch für den ambitionierten Amateurfotografen etwas sein, was es für den Profi sein muss, ein funktionierendes Werkzeug zur Umsetzung einer Idee.


Die letzten Worte zu diesem Thema sollen der Beantwortung der stets gleichen Frage gelten: „Warum Leica?“.

Die einfache Antwort darauf lautet, weil ich damit an meinen schlechten Bildern mehr Spass habe.





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